
Vorbemerkung.
Wohl ein Jeder, der ſeine Vaterſtadt irgend lieb hat, wird auch gern etwas aus ihrer Vergangenheit hören, und ſelbſt geringfügige Dinge, welche Auswärtigen ganz gleichgiltig ſind, wie z. B. der Name des Ortes, die Entſtehung deſſelben, oder beſondere wichtige Ortsereigniſſe, werden für ihn ein gewiſſes Intereſſe haben. Daher glaubt auch der Verfaſſer mit Sammlung und Veröffentlichung der nachfolgenden Nachrichten Denjenigen, welche über Lengefeld und Rauenſtein aus der weit hinter uns liegenden Vergangenheit etwas in Erfahrung zu bringen wünſchen, einen kleinen Dienſt zu erweiſen und dies um ſo mehr, als die früheſte Geſchichte von Lengefeld und Rauenſtein in ziemliches Dunkel gehüllt iſt, ja ſelbſt die mittelalterliche bietet, wegen Mangel an Urkunden und chronicaliſchen Schriften nicht einmal Einiges oder Weniges dar.
Die alten Ueberlieferungen und Urkunden, aus denen Verfaſſer dieſer Zeilen ſeine Kenntniß hat ſchöpfen können, ſind leider nur ſehr ſpärlich und infolge ihrer Oberflächlichkeit meiſt unzutreffend. Dieſen Umſtand haben wir wohl in erſter Linie der Indolenz der einſtigen Bewohner Lengefelds zuzuſchreiben, wodurch ſo Manches nicht aufgezeichnet worden iſt, was heute als intereſſant und wichtig gelten würde. Andererſeits mag wohl auch Lengefeld von mehrfachen Bränden, von denen nur ſolche aus jüngſter Zeit, die in den Jahren 1725, 1826 ſtattfanden, bekannt ſind, heimgeſucht worden ſein, wobei wohl vieles, vielleicht intereſſante geſchichtliche Material mit zu Grunde gegangen ſein mag. Nicht einmal das Archiv des Schloſſes Rauenſtein enthält irgend welches geſchichtliches Material. Dasjenige, was etwa vorhanden geweſen iſt, ſoll dem Vernehmen nach bei Ausbruch des 30jährigen Krieges (1618) in die ſichere Reſidenzſtadt Dresden übergeführt und dort verwahrlich niedergelegt, doch ſoll ſolches beim damaligen Bombardement auf Dresden ein Raub der Flammen geworden ſein.